“Dafür habe ich noch Zeit…”. “Ich prokrastiniere nicht”. “Ich muss mal was gegen diese verdammte “Aufschieberitis” tun”. Oder “Die Prokrastination hab mich fest im Griff, ich müsste Sie eigentlich mal bekämpfen”.

Moin zusammen und herzlich willkommen zu meiner Praxisübung “Prokrastination bekämpfen”. Wenn ihr das hier lest, seid ihr quasi im Re-Live dabei, wenn ich mich selbst gegen den diesen für viele bekannten Feind stelle. Seit Anfang des Jahres 2019 steht auf meiner To-Do-Liste, dass ich mich jeden freien Freitag um einen neuen Blogbeitrag mit allem drum herum kümmere. Dazu gehören neben dem Schreiben also auch die Erstellung der Designs, das Vorbereiten von Social Media Posts und des Marketings an sich. Wobei ich mir selbst etwas blöd vorkomme von Marketing zu sprechen, schließlich betreibe ich hier nur einen kleinen Nischenblog und keine große Website mit riesiger Reichweite. Mir fällt allerdings kein besseres Wort dafür ein, wenn ich mir überlege, wie ich es schaffe, dass sich auch Besucher auf meinen Blog “verirren”, weil Sie nach nützlichem, sinnvollem oder hilfreichem Input für ihre “Probleme” suchen.

Wie ihr also vielleicht bemerkt, liegt noch ein bisschen Arbeit vor mir, und wie es der Zufall nunmal so will, erledigt sich diese nicht von alleine. Was hat das nun aber mit Prokrastination zu tun? Nun, ich habe heute bereits mit meiner Frau die Wohnung geputzt, nachdem wir lange geschlafen hatten, und auch einen Film, den wir schon immer mal gucken wollten, angeschaut. Um 18:30 Uhr bin ich dann auch noch auf dem Sportplatz, sprich ich habe nicht wirklich viel Zeit mehr, um diesen Beitrag zu verfassen und mich auch noch teilweise den anderen Dingen zu widmen. Klingt fast nach einem Musterbeispiel für Prokrastination oder? Ich habe das mir vorgenommene so lange aufgeschoben, bis ich quasi nicht mehr genug Zeit habe, um auch alles zu schaffen.

Es gibt verschiedene Arten von Prokrastination

In meinem Fall könnte man annehmen, dass ich den Druck der schwindenden Zeit vielleicht brauche. Dass ich unter Zeitdruck besser und schneller arbeite. Es gibt sogar einen Begriff dafür, den Erregungsaufschieber.


Quelle: https://karrierebibel.de/prokrastination/

Ich persönlich würde das sogar unterschreiben, da ich mich selbst darin wieder erkenne. Mir fallen sogar mehrere Situationen ein, wo ich es genau darauf angelegt habe unter Zeitdruck zu kommen, da ich mir selbst eingeredet habe dann produktiver und erfolgreicher zu sein. Ob dem hinterher dann auch wirklich so war, müssen andere beurteilen. Denn das ist der Nachteil, hinterher wird man nie wissen, wie es hätte sein können, wenn man nicht prokrastiniert hätte. Wäre man besser gewesen? Hätte die abgelieferte Arbeit anders ausgesehen? Wäre man noch auf andere Ideen gekommen, die man mangels Zeit nicht bekam und auch nicht hätte umsetzen können?

Was tue ich nun aber, wenn ich prokrastiniere? Es gibt viele verschiedene Dinge, die jeder von uns dann tut. Deshalb gibt es auch verschiedene Arten von Prokrastination. Die einen putzen erstmal die ganze Wohnung, räumen um, schmeißen weg, im Zweifel wird sogar umgebaut und renoviert, nur damit die eigentliche Aufgabe, die ganz gewiss nichts mit all dem zu tun hatte, nicht gemacht werden muss. Andere surfen den ganzen Tag im Internet, scrollen die Facebook-Timeline bis zum Ende runter, schauen sich den gesamten Instagram-Feed an oder aber ziehen sich alle vorhandenen Netflix-Serien am Stück rein. Und wieder andere kümmern sich um alles drumherum, erstellen To-Do-Listen, planen, bereiten vor, starten mit verschiedenen Teilaufgaben und multitasken dann, aber dem Ziel der eigentlichen Hauptaufgabe wird kein Stück näher gekommen.
Ich vermute, dass sich jeder von euch hier irgendwo wiederfindet, vielleicht sogar bei mehreren Punkten, denn je nach Aufgabe oder Plan kann es sein, dass unterschiedliche Ausprägungen der Prokrastination zu Tage treten.

Wie merke ich, dass ich prokrastiniere?

Kennt ihr das? Ihr habt eigentlich einen riesigen Berg Arbeit zu erledigen oder eine immens wichtige Aufgabe vor der Brust, doch stattdessen beschäftigt ihr euch mit ganz was anderem? Ihr merkt also nicht einmal, dass ihr prokrastiniert? Mir geht das oft so. Ich tue Dinge, die mir Spaß machen, die ich gerne tue, aber meinem eigentlichen Ziel komme ich dadurch kein Stück näher. Ich bin quasi beschäftigt, aber weder produktiv, noch effektiv oder effizient. Kennt ihr eigentlich den Unterschied zwischen effektiv und effizient? Oder verwendet ihr die Begriffe auch einfach nach Lust und Laune? Mir erging das zumindest lange so, bis ich mit meinem Blog anfing und mich dementsprechend viel tiefer in die ganze Materie Motivation, Stressabbau, Stressbekämpfung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen usw. hineingearbeitet habe.
Effektiv bin ich, wenn ich mit der Maßnahme das gewünschte Ziel erreiche. Effizient bin ich, wenn ich das mit dem geringsten möglichen Aufwand tue. So gesehen wäre es doch logisch, dass ich immer effizient sein will, oder? Nunja, meistens sind wir das aber nicht, wir sind meistens nur effektiv. Und selbst das sind wir nicht immer, denn sonst würde es Prokrastination ja nicht geben.

Wie merke ich nun also, dass ich prokrastiniere, anstatt effektiv, geschweige denn effizient zu sein? Eigentlich ganz einfach. Ihr kommt eurem gesteckten Ziel oder dem Lösen der Aufgabe nicht einen Schritt näher. Schreibt sich eure Hausarbeit oder Bachelorarbeit weiter, während ihr Netflix-Serien schaut? Putzt sich die Wohnung, während ihr auf dem Sofa sitzt und an der Playstation zockt? Bearbeitet sich das Projekt auf der Arbeit weiter, wenn ihr beim Kollegen im Büro steht, Kaffee trinkt und schnackt? In allen drei Fällen: Vermutlich nicht…
Es ist also ein sicheres Indiz dafür, dass ihr prokrastiniert, wenn eure eigentliche Aufgabe nicht kleiner wird oder euer gestecktes Ziel näher kommt.

Was kann ich gegen Prokrastination tun?

Jetzt kommt die Gretchenfrage: Wie kann ich Prokrastination nun bekämpfen? Schritt eins wäre in jedem Fall, dass ihr merkt, dass ihr prokrastiniert. Denn nur wenn ihr das merkt, könnt ihr auch was dagegen tun. Habt ihr gemerkt, dass ihr prokrastiniert, kann es mehrere Optionen geben, was ihr dagegen tun könnt.
Ihr könntet zu allererst einmal herausfinden, warum ihr überhaupt prokrastiniert habt. Warum habt ihr die Aufgabe überhaupt aufgeschoben? Warum seid ihr eurem Ziel nicht näher gekommen und habt euch lieber mit was anderem beschäftigt? Grundsätzlich steht und fällt eigentlich alles mit eurer inneren Motivation. Ist diese groß und ausdauernd, hättet ihr gar nicht erst prokrastiniert. Ihr hättet euch mit vollen Ehrgeiz an die Aufgabe gesetzt und wärt dem Ziel mit Vollgas entgegen geprescht. Da dem nicht so war, scheint das Ziel nicht attraktiv genug gewesen zu sein. Deshalb ist es immer hilfreich, sich gleich am Anfang genau zu überlegen, warum du überhaupt dieses Ziel erreichen willst. Warum willst du die Bachelorarbeit schreiben? Weshalb willst du diesen Job machen? Warum willst du 10 Kilo abnehmen?

Der Grund warum ihr etwas tut, muss also so stark positiv aufgeladen sein, dass es euch Schmerzen bereitet, wenn ihr prokrastiniert. Ihr müsst euch also entweder etwas extrem positives überlegen, was passiert, wenn ihr euer Ziel erreicht, oder aber euch etwas so negatives vor Augen halten, was passiert, wenn ihr es nicht erreicht. Sind eure Gefühle und Gedanken nicht positiv genug, prokrastiniert ihr. Ist das Resultat nicht negativ genug, wenn ihr die Aufgabe nicht erfüllt, prokastriniert ihr. Sind beide Gründe oder Motivationen stark genug, prokrastiniert ihr nicht. Ich gebe euch mal ein Beispiel, denn das war jetzt sehr abstrakt.

In konkreten Bildern denken

Ich habe mir selbst ja irgendwann überlegt, dass ich morgens um 5 Uhr aufstehen will. In dieser neu gewonnenen Zeit wollte ich Dinge tun, für dich sonst keine Zeit habe. Dazu gehören Yoga, meditieren, lesen und mich fortbilden. War nun die Aussage “Ich will aufstehen, um zu meditieren” stark genug positiv aufgeladen, damit ich auch um 5 Uhr aufstehe? Nein, war sie nicht. War die Aussage “Ich will aufstehen, um zu lesen” stark genug positiv aufgeladen? Nein, war sie nicht. Und genau so wenig war es irgendeine andere Aussage.
Stark genug war das langfristige Bild von mir selbst, dass ich im Kopf hatte, wenn ich nicht um 5 Uhr aufstehe und diese Dinge tue. Ich habe mich selbst als unbeweglichen, gebrechlichen, unausgeglichenen, gestressten, dummen und einfältigen Mann gesehen. So will ich niemals und gar keinen Umständen sein. Dieses Bild war so negativ behaftet und hat mir so viel “Angst” eingejagt, dass sich mir morgens gar nicht mehr die Frage stellt, ob ich aufstehe oder mich lieber nochmal umdrehe.

Eure eigene innere Motivation finden

Es ist also im Grunde genommen recht simpel. Um Prokrastination zu bekämpfen muss eure eigene innere Motivation einfach stark genug sein. Euer Bild davon, was passiert, wenn ihr etwas nicht tut und immer weiter aufschiebt, muss entweder so stark positiv oder negativ aufgeladen sein, dass ihr gar nicht anders könnt, als euch sofort an die Arbeit macht. Findet ihr keinen Grund oder kein Bild, dass entweder positiv oder negativ genug ist, ist die Aufgabe womöglich nicht die richtige für euren Lebensinhalt. An dieser Stelle solltet ihr ehrlich genug zu euch selbst sein und euch überlegen, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige für euer weiteres Leben ist.

Zum Thema Motivation könnt ihr übrigens an dieser Stelle noch weitere Infos finden:
https://bastiansmotivationswerkstatt.de/how-to-von-motivation-und-anderen-mythen/

Es würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen zum Thema Prokrastination in den Kommentaren da lasst, vielleicht hilft das dem ein oder anderen auch noch weiter. Ansonsten bis zum nächsten Mal am Freitag in zwei Wochen 😉

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How to: Prokrastination bekämpfen

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2 Gedanken zu „How to: Prokrastination bekämpfen

  1. Für mich ist es immer ganz wichtig, dass ich mir Pausen zugestehe und dann auch immer Teilziele bearbeite. Sonst rutsche ich ganz schnell in die Prokrastination ab, weil ich dann schnell unmotiviert bin.

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